Ferngesteuert und abgehört - Die NSA möchte nicht nur Windows-Rechner unter ihre Kontrolle bringen

Aus IT-Services Dipl.-Ing. Andreas Gross
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Wie ich in dem Artikel NSA Hintertürchen in jedem Windows-Rechner - Das Betriebssystem ist der Trojaner aufzeigte, ist die NSA recht erfolgreich darin gewesen, sich über das Microsoft-Monopol Zugang zu (fast) allen unseren PCs zu verschaffen.

Wie im Roman von Georg Orwell 1984 gibt es damit in (fast) jedem Haushalt eine Abhöranlage, die wir selbst kaufen, instanthalten und mit Strom versorgen. Damit wird es möglich, anders als im Roman, dass wir uns der allgegenwärtigen Kontrolle durch den Big Brother gar nicht mehr bewusst sind. Denn die Kameras und Mikrophone im Roman hatten eindeutig und bekanntermassen den Abhörzweck. Das war die Schwäche des Systems im Roman: die Leute trafen sich in der freien Natur, wenn sie sich einmal ungestört unterhalten wollten. Sie wussten, dass sonst jemand mithört.

Heute ist man stolz, dass sein Notebook eine integrierte Webcam besitzt und lädt vertrauensvoll jegliche "Sicherheitsupdates" von Microsoft hoch, und bezahlt noch die Rechnungen für die Online-Verbindung. Wenn man sich dann in der freien Natur mal mit jemanden angeregt unterhält, hat garantiert einer von beiden ein Handy dabei, so dass "die da oben" mithören können und auch genau wissen, wo man sich gerade aufhält.

In China gibt es ein Bewusstsein darüber, dass die NSA ihre Backdoor in jeden Windows-PC nicht nur für die Kontrolle etwaiger Systemgegner nutzt, sondern auch für Wirtschaftsspionage. (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/National_Security_Agency). Dort gilt die Verwendung eines Windows auf Behörden-Computer als Landesverrat. - Auch hierzulande sind sich politische Aktivisten und andere wache Gemüter dessen bewusst und verwenden lieber das Linux-Betriebssystem, um sich vor ungeliebte große Brüder zu schützen.

Doch die NSA ist ja nicht lahm. Sie planen weiter. Wenn ein Trojaner auf Betriebssystemebene nicht mehr greift, muss man hardware-naher operieren und die Remote-Kontrolle in das Bios installieren: dann ist die Backdoor unabhängig vom installierten Betriebssystem und die Kontrolle kann sogar über ausgeschaltete PCs ausgeübt werden (solange die Internetverbindung und Strom vorhanden ist). Vermutlich ist sogar das Abhören des internen Mikrophons und der Webcam möglich, auch wenn der PC ausgeschaltet erscheint.

Spreche ich von reiner Utopie? - Bringe ich die NSA jetzt erst auf dumme Gedanken? - Wäre kein Chip-Hersteller so dumm, sich mit solch gemeinen Abhör-Chips die Finger zu verbrennen, bzw. die Kunden zu verprellen? - Oder ist das eine blühende Phantasie eines Verschwörungstheoretikers?

Ich bin leider nicht durch vorausschauendes Denken auf diese Idee gekommen, sondern durch folgenden Artikel über eine ganz reale technische Entwicklung, die angepriesen wird. Denn wir sollen diesen Keylogger, diese Backdoor, diesen Trojaner ja kaufen, finanzieren, instand halten, letztlich bewusst wollen:

Der Autor Benjamin Benz stellt im c't-magazin für computer technik Ausgabe 15 vom 5.7.2010 auf S. 136ff unter dem Titel "Ferngesteuert - Fernwartungstechnik für Büro-PCs und -Notebooks" die neuste Errungenschaft von Intel vor: AMT: Active Management Technology. Siehe auch diesen kurzen Artikel: http://de.wikipedia.org/wiki/Intel_vPro

Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Der Autor jedenfalls nicht, er kann nur jubeln über die Möglichkeiten in einer Schönen Neuen Welt(ordnung).

Momentan lässt sich Intel diese neue Entwicklung noch mit einem dreistelligen Aufpreis von denen bezahlen, die sich begeistern lassen. Wenn ich Recht behalte, dass der wirkliche Besteller dieser Features der NSA mit seinem Echelon-Wahn ist, dann wird es nicht lange dauern, bis alle Intel-Rechner so "beseelt" wurden.

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